Podcast-Serie zum Mord an Burak Bektas heute Teil 3

Seit heute die dritte Folge (24:52) im rbb podcast:
http://www.kulturradio.de/programm/feature/podcast/wer-hat-burak-erschossen.html
http://media.rbb-online.de/kul/podcasts/burak/wer-hat-burak-erschossen-03.mp3

Die neun Folgen laufen vom 15. Oktober bis 10. Dezember 2015, immer 
donnerstags um 9.10 Uhr auf Radioeins und um 14.10 Uhr im Kulturradio. 
Im Internet werden alle Folgen als ungekürzter Podcast veröffentlicht.

Es geht im heutigen Podcast also um die "heimliche Hauptperson" des 
Mordfalls Burak Bektas, so zumindest die Einleitung von Philipp Meinhold 
zur Sendung über den ermittelnden Kommissar Alexander Hübner - diese 
Ankündigung überrascht, schwer kann ich mir den ermittelnden Kommissar 
als Hauptperson vorstellen.
Meinhold ermöglicht der Öffentlichkeit einen Eindruck vom Stand der 
Ermittlungen, sehr ausführlich, aber aus dem Blickwinkel der Polizei und 
erst beim genauen Zuhören tauchen Ungereintheiten auf: Angeblich gab es 
zum Beispiel keine Grundlage (Spuren, Infomationen) für eine Operative 
Fallanalyse - gab es denn den Versuch eines Profilings? Hierüber wie 
über die meisten Ermittlunsgergebnisse hält Kommissar Hübner sich völlig 
bedeckt.

Philipp Meinhold folgt dann den Spuren des kürzlich im Zusammenhang mit 
dem Mord an Luke H in Neukölln festgenommenen Rolf Z.Und an dieser 
Stelle stockt mir der Atem: Meinhold interviewt den Zeugen, der Rolf Z. 
vor Jahren in die Nähe des Tatorts gefahren hat, und dem Rolf Z. erzählt 
habe, er mache hier Schießübungen mit seinem Bruder. Dieser Zeuge 
meldete sich 2013 bei der Polizei und gibt diesen Hinweis bezogen auf 
Burak Bektas. Alexander Hübner drückt sich im Interview dazu erstaunlich 
undeutlich aus: Es wird nicht klar, dass er und die sechste 
Mordkommission nach diesem Hinweis wohl nichts getan haben, außer in 
alten Akten zu lesen und die Meldedaten zu überprüfen. Dadurch, dass er 
die alten Ermittlungsergebnisse vorträgt (über frühere 
Hausdurchsuchungen wegen Waffenbesitzes bei Rolf Z.) erweckt er den 
Eindruck, aktiv gewesen zu sein. Erst auf Nachfrage erklärt er, es habe 
nicht einmal ein Gespräch mit dem Verdächtigen gegeben. Hübner findet 
aber im Rückblick, er habe alles richtig gemacht (das erinnert an die 
NSU-Ermittler).

Geradezu ein Spannungsbogen ergibt sich, wenn Meinhold danach die 
Kriminalpsychologin Birgitta Sticher interviewt - nur offenbart sich im 
Interview, dass sie als Expertin auftritt, jedoch kaum Kenntnisse von 
den beurteilten Fällen hat: Als Punkt, der gegen einen Täter in beiden 
Fällen spricht, führt sie an, Burak Bektas sei in den frühen 
Morgenstunden getötet worden, Luke H. dagegen mitten in der Nacht. Diese 
völlig unterschiedlichen Zeiten der Tat passten nicht zusammen. Was soll 
man dazu sagen: Luke H wurde in den frühen Morgenstunden (kurz vor 6 
Uhr) getötet. Also im selben Zeitraum.

Dann kommt Meinholds Finale: Er habe zwei Zeugen im Zusammenhang mit 
Rolf Z. gesprochen. Einer sei in Rolf Z.s Wohnung gewesen und habe dort 
NS-Devotionalien, Fahnen, Poster und ein Hitlerbild gesehen (könnte die 
Berliner Polizei dies bei der Durchsuchung nach dem Mord an Luke H. 
übersehen haben oder warum drang hiervon bisher nichts an die 
Öffentlichkeit?) Ein weiterer rassistischer Mord, der "versehentlich" 
nicht als solcher wahrgenommen wird? Und der zweite Zeuge, der Besitzer 
der Bar, in der Luke H. vor seinem Tod war, berichtete, dass Rolf Z. am 
Tatabend in der Bar gewesen sei und sich aufgeregt habe, dass hier so 
viel Englisch gesprochen werde. Rolf Z also ein Faschist und der Mord an 
Luke H. ein rassistischer Mord? Und könnte es für den Mord an Burak 
Bektas auch ein rassistisches Motiv geben?

Nein - egal wie es war: Zu Philipp Meinhold ist der Begriff Rassismus 
noch nicht durchgedrungen. Für Ihn könnte Burak Bektas wegen seines 
"Migrationshintergrundes" Opfer von "Ausländerfeindlichkeit" geworden 
sein, so als lebten in diesem Land nicht über 80 Millionen "Inländer" 
verschiedenster Herkunftsgeschichte. Deutsche, Menschen die hier 
aufgewachsen sind - sie alle können auch noch heute, am 29.10.2015, im 
wirklich gut gedachten Podcast auf Radio 1, vom RBB als Ausländer 
bezeichnet werden, wenn sie nicht der Vorstellung eines echten weißen 
Bio-Deutschen entsprechen. Irgendwie hinterlässt mich das fassungslos, 
dass sich nichts zu ändern scheint in diesem Land.

Die früheren Folgen:
http://media.rbb-online.de/kul/podcasts/burak/wer-hat-burak-erschossen-01.mp3
http://media.rbb-online.de/kul/podcasts/burak/wer-hat-burak-erschossen-02.mp3

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