02.10.2015 NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“

Pressemitteilung

“Not about us without us!“ – Herero und Nama fordern Einbeziehung

Nach Deutschlands inoffizieller Anerkennung des Völkermords erwarten die Nachfahren der Opfer eine offizielle Entschuldigung, die Rückgabe aller geraubten Gebeine und ihre sofortige Einbeziehung in die deutsch-namibischen Versöhnungsgespräche

Im Vorfeld des heutigen Jahrestages des deutschen Vernichtungsbefehls sind gestern in Windhoek/Namibia zahlreiche Nachfahren der Opfer des kolonialen Genozids vor die deutsche Botschaft gezogen. Mit der Übergabe eines Appells erinnerten sie die Bundesregierung an die am 2.10. ablaufende Frist zur Aufnahme ernsthafter Reparationsverhandlungen mit den Herero und Nama. Die Aktion bildete den Höhepunkt der mehrtägigen Gedenkveranstaltungen in der namibischen Hauptstadt.

Am historischen Ort der Verlesung des Befehls im Jahre 1904 bei Otjinene werden nun am 3.10. tausende Herero und Nama aus allen Teilen des Landes zusammenkommen, um der Vernichtung, Vertreibung und Enteignung ihrer Gesellschaften durch das deutsche Kolonialregime zu gedenken. Große Erwartungen knüpfen sich zudem an den Besuch des deutschen Bundestagspräsidenten Lammert, der vom 6.-10. Oktober durch Namibia reisen wird.

Anlässlich des internationalen Reparation Day am 12.10. werden auch in Hamburg, Frankfurt und Berlin Herero-Aktivisten erwartet. Die Delegierten Nguherimo und Murangi des OvaHerero/ Mbanderu and Nama Genocides Institute (ONGI) sowie Katuuo und Kauari der OvaHerero Genocide Association in the USA (OGA) werden über den Genozid, ihren anhaltenden Kampf für Anerkennung, Entschuldigung und Reparationen sowie über die aktuelle Situation berichten.

Am 13.10. steht eine Besichtigung der für rasseanthropologische Forschungen nach Berlin verschleppten Gebeine von Menschen aus Namibia im Privatbesitz der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU) auf dem Programm der Gäste (Rudolf-Virchow-Sammlung). Am Abend desselben Tages bieten wir einen gemeinsamen Praxis-Workshop zu aktivistischen Formen dekolonialer Erinnerungspolitik an.

Überdies beabsichtigen die Herero als Experten an den Bundestagsausschüssen für Entwicklungspolitik und Menschenrechte am 14.10. teilzunehmen. Dort wird über die Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zu Deutschlands historischer Verantwortung für den Genozid und über angemessene Formen der Entschädigung für die Beraubten debattiert. Der Presse stehen die Gäste und Bündnisvertreter am 14.10. um 12 Uhr an der Scheidemannstraße vor dem Berliner Reichstagsgebäude zur Verfügung.

Kontakt & Infos: Christian Kopp | 01799 100 976 | buero@berlin-postkolonial.de | http://www.genocide-namibia.net

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