Fr 17.4. Forum: Gegen das Schweigen – Drei Jahre nach dem Mord an Burak und die Konsequenzen aus dem NSU

Forum: Gegen das Schweigen –
Drei Jahre nach dem Mord an Burak und die Konsequenzen aus dem NSU

Freitag 17. April // 18 Uhr // Jockel Biergarten
(Ratiborstr. 14c, Berlin-Kreuzberg)

https://www.facebook.com/events/414211102073949/

Nur fünf Monate nach der Selbstenttarnung des NSU und seiner Täterschaft
an neun rassistischen Morden schießt im Berliner Stadtteil Neukölln ein
weißer Mann wortlos in eine Gruppe von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund. Alex und Jamal werden lebensgefährlich verletzt
und Burak stirbt noch am Tatort an seinen Verletzungen. Der nahe
liegenden Annahme, dass es sich um ein rassistisches Motiv gehandelt
haben könnte, wird von der Polizei entgegnet, dass es dafür „keinerlei
Anhaltspunkte“ gäbe. Es werde „in alle Richtungen“ ermittelt. Ein
Mantra, das sich bis heute wiederholt. Denn es gibt immer noch keine
Spur zum Mörder.

Das leichtfertige Hinnehmen von Erklärungen der Ermittlungsbehörden im
Fall der NSU-Morde muss uns eine Lehre sein. Das daraus resultierte
Schweigen und die Ignoranz gegenüber den Angehörigen der Opfer darf sich
nicht wiederholen. Das waren die Gedanken, mit denen wir die Initiative
zur Aufklärung des Mordes an Burak gründeten. Seit nunmehr fast drei
Jahren fordern wir gemeinsam mit den Angehörigen gezielte Ermittlungen
in Richtung eines rassistischen Motivs. Getan hat sich wenig.

In einem offenen Forum wollen wir mit geladenen Gästen und dem Publikum
kritisch die Fragen diskutieren, die uns seit Beginn unserer Arbeit
immer wieder umtreiben:

Was ist das Ziel unserer Arbeit? Wann können wir von Erfolg sprechen?
Wären es eher konkrete Veränderungen – wie Ermittlungsergebnisse oder
gar Veränderungen innerhalb des Polizeiapparates? Oder sind es vielmehr
abstrakte Ziele – eine kritische Öffentlichkeit oder Solidarität mit den
Angehörigen? Aber wie machen wir Öffentlichkeitsarbeit, wenn wir keine
neuen Nachrichten haben? Warum ist das Interesse an diesem
unaufgeklärten Mord auch nach dem NSU-Ermittlungsdesaster in linken,
kritischen Zusammenhängen und selbst bei Migrant_innenorganisationen so
gering?

Können wir mit öffentlichem Druck überhaupt Einfluss nehmen auf
Ermittlungsbehörden? Welche Erfahrung haben Überlebende und Angehörige
von Opfern rassistischer Gewalt mit Polizei und Öffentlichkeit gemacht?
Was können wir daraus lernen? Und nicht zuletzt: Wie sieht die
Zusammenarbeit mit Opfern und Angehörigen aus? Wie muss Solidarität
gestaltet sein, damit sie praktisch werden kann?

Gäste: NSU-Watch, Mehmet Daimagüler und Ogün Parlayan (Anwälte der
Familie Bektas und NSU-Nebenklagevertreter), Mouctar Bah (Initiative in
Gedenken an Oury Jalloh), Ayşe Güleç (Initiative 6. April, Kassel),
Canan Bayram (Abgeordnete der Grünen im Abgeordnetenhaus Berlin),
Ibrahim Arslan (Überlebender des rassistischen Brandanschlags in Mölln
1992 und Aktivist, Hamburg)

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