*Aktionstag in München**/ Verhandlung des Keupstraßen-Attentats im NSU-Prozess*

*Aktionstag in München**/ Verhandlung des Keupstraßen-Attentats im
NSU-Prozess*

Für eine Gesellschaft ohne Rassismus – Keupstraße ist überall

*Dienstag, 20.01.2015 – München*

*Dauerkundgebung *ab 9 Uhr vor dem Gericht
*Demonstration *ab 17 Uhr, Auftakt vor dem Gericht

Aufruf auf Türkisch <http://nsuprozess.info/?p=510&gt; | Veranstaltung bei
Facebook <https://www.facebook.com/events/621042884668567/&gt; |
Schlafplätze bieten & finden
<http://keupstrasse-ist-ueberall.de/schlafplatz-boerse/&gt;

Die Keupstraße ist bekannt als florierende Geschäfts- und Wohnstraße
der „türkischen Community“ in Köln – weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Am 9. Juni 2004 explodierte dort eine vom „Nationalsozialistischen
Untergrund“ (NSU) gezündete Nagelbombe. Dieser Anschlag sollte in der
Straße möglichst viele Menschen töten und verletzen sowie ihre Geschäfte
und Häuser zerstören. Nur durch glückliche Zufälle gab es dabei keine
Todesopfer.

*Das Attentat auf die Keupstraße* ist Teil der Mord- und Anschlagserie
des NSU und offenbart ihre rassistische Logik. Die vom Bombenanschlag in
der Kölner Probsteigasse betroffene deutsch-iranische Familie sowie die
Opfer der NSU-Mordserie Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman
Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros
Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat, haben sich mit ihren
Familien ökonomisch gefestigte Existenzen in der Bundesrepublik
aufgebaut. Ihre Biografien zeugen von einer gesellschaftlichen Realität,
in der migrantisches Leben ein historisch gewachsener, prägender und
dauerhafter Bestandteil ist. Gerade für diese Perspektive steht die
Keupstraße symbolisch. Und genau dieser Perspektive galt der NSU-Terror.

Lange wurde der rassistische Hintergrund auch von linken und
antirassistischen Gruppen nicht zur Kenntnis genommen. Dabei zeigt uns
der Bombenanschlag auf die Keupstraße deutlich, wie der tödliche
Rassismus von Neonazis im Zusammenspiel mit staatlichen
Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten, Medien und Öffentlichkeit in der
gesamten NSU-Mordserie funktioniert hat. Die rassistischen Morde und
Anschläge fanden durch die Verfolgung der Behörden ihre Fortsetzung: Bis
zur Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 ermittelten sie in erster
Linie gegen die Opfer sowie deren Angehörige und deren Umfeld. Das
Wissen und die Perspektiven der Betroffenen ignorierten sie ebenso wie
deutliche Indizien für eine rassistische Tatmotivation. So kann zu Recht
behauptet werden: „Staat und Nazis – Hand in Hand“. Die Medien und die
Öffentlichkeit flankierten dieses Bündnis mit dem Gerede von
„kriminellen Ausländermilieus“ und „Dönermorden“. Diese
Opfer-Täter-Umkehrungen sind keine Ausnahmefälle: Betroffene
rassistischer Gewalt stehen immer wieder – so haben es auch die
Anschläge von Lübeck, Mölln und Hattingen gezeigt – im Fokus der
Verdächtigungen. Für Gerechtigkeit und Aufklärung müssen sie gegen
politischen, juristischen und gesellschaftlichen Widerstand kämpfen.

*Vor diesem Hintergrund* hat sich in Köln die Initiative „Keupstraße
ist überall“ gegründet, um in Vorbereitung auf die Verhandlungstage im
NSU-Prozess in München aktiv zu werden. In vielen weiteren Städten haben
sich ebenfalls Gruppen und Initiativen zusammengefunden, um den
NSU-Komplex aufzuklären, seine gesellschaftliche Dimension sichtbar zu
machen und die Betroffenen des rassistischen Terrors solidarisch zu
begleiten. Gemeinsam mobilisieren wir nun nach München, um Solidarität
mit den mehr als 30 Nebenkläger_innen und Angehörigen der Opfer zu
demonstrieren. Wir protestieren gegen ihre jahrelange rassistische
Ausgrenzung und Diskriminierung und fordern eine schonungslose
Aufklärung: Wer gehört(e) alles zum NSU? Wie viel Staat steckt in ihm
und welche Rolle spielen Politik, Polizei und Geheimdienste?

*Deshalb brauchen wir die Unterstützung* von allen gesellschaftlichen
Gruppen, denen bewusst ist, dass der Gerichtsprozess alleine nicht
ausreichen wird, um die Geschichte der Mord- und Anschlagserie und die
jahrelangen Drangsalierungen der Betroffenen und Angehörigen aufzuklären
und die Ursachen des rassistischen Terrors zu beseitigen. Mit einem
Aktionstag (am Tag X) sowie einer dauerhaften Anwesenheit während der
gesamten Verhandlung der Keupstraße wollen wir mit Vielen vor und im
Gericht ein sichtbares Zeichen setzen! Jahrelang wurden die Betroffenen
aus der Keupstraße und die Opferangehörigen in ganz Deutschland
terrorisiert. Jetzt ist der Moment gekommen, geschlossen und
unmissverständlich in München unserer Wut und Empörung Ausdruck zu
verleihen.

*Der NSU hat sein Ziel nicht erreicht:* Migrantisches Leben ist eine
Realität in Deutschland, die weder durch rassistischen Populismus, noch
durch Bomben- und Mordanschläge ausgelöscht werden kann. Sie ist
integraler Bestandteil einer Gesellschaft, die sich nicht durch Terror
spalten lässt. Die Keupstraße geht in die Offensive: Sie ist heute ein
Ort, an dem rassistischer Terror angeklagt wird und solidarische
Bündnisse geschmiedet werden. In diesem Sinne: *Keupstraße ist überall.*

/Am Ende des Verhandlungstages, an dem zum ersten Mal Zeug_innen aus der
Keupstraße geladen sind, am 20.1.2015, werden wir gemeinsam in München
demonstrieren.
Vor dem Gerichtsgebäude wird ab 9 Uhr eine Dauerkundgebung stattfinden.
Ab 17.30 Uhr demonstrieren wir vom Gerichtsgebäude in der
Nymphenburgerstraße bis zum Karlsplatz/Stachus. Nach der Demonstration
ist ein Treffen aller Beteiligten in den Räumen von Werkmünchen an der
Dachauerstraße 114 (Trambahn-Haltestelle Leonrodplatz) geplant./

Das Münchner /Bündnis gegen Naziterror und Rassismus/ und die Kölner
Initiative /Keupstraße ist überall/ rufen als Teil der bundesweiten
Initiative /NSU-Komplex auflösen!/ zu dem Aktionstag auf.

Weitere Informationen:
http://www.keupstrasse-ist-ueberall.de <http://www.keupstrasse-ist-ueberall.de&gt;
http://www.nsuprozess.blogsport.de <http://www.nsuprozess.blogsport.de&gt;

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: