20 Jahre ‚The Voice‘: Die Flüchtlingsorganisation veranstaltete eine Demonstration

Artikel vom: 06.10.2014

20 Jahre „The Voice“: Die Flüchtlingsorganisation veranstaltete eine
Demonstration

Vor 20 Jahren wurde die Flüchtlingsorganisation „The Voice“ gegründet.
Seitdem erhebt sie regelmäßig ihre Stimme für Veränderungen in der
deutschen Asylpolitik und mahnt Missstände in Flüchtlingsheimen an. In
Jena wurde am Wochenende das Gründungsjubiläum der ersten
Selbstorganisation von Flüchtlingen gefeiert.

Quelle: Jena TV
hier der Link zum Beitrag über die Veranstaltung vom Samstag, 4. Oktober:

As requested – this is the link to JenaTV article about your event on
Saturday:

http://www.jenatv.de/soziales/20_Jahre_The_Voice:_Die_Fluechtlingsorganisation_veranstaltete_eine_Demonstration-24495.html

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tlz.de
Migrationsbeauftragte Dörthe Thiele über die Flüchtlingssituation in Jena

[Einige erhalten keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Auch in Jena
kommt es zu Abschiebungen. Dass Aktivisten in den vergangenen Monaten
Abschiebungen aus der Unterkunft in der Schulstraße verhindert haben,
sieht Dörthe Thiele mit geteilter Meinung: „Für die Flüchtlinge bedeutet
so etwas, auf gepackten Koffern sitzen zu bleiben. Sie können nirgends
ankommen – weder hier noch da. Wir von der Ausländerbehörde wurden von den
Aktivisten schon als Rassisten und Schweinepack bezeichnet. Ich verstehe,
was beispielsweise die Aktivisten von The voice erreichen wollen, und ich
finde es wichtig, auf Missstände hinzuweisen. Doch ob es sinnvoll ist,
eine Abschiebung aufzuhalten, weiß ich nicht. Ich fände es wichtiger, sich
der Flüchtlinge anzunehmen und ihnen zu helfen, in Jena Fuß zu fassen.“ ]

http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Migrationsbeauftragte-Doerthe-Thiele-ueber-die-Fluechtlingssituation-in-Jena-1589149363

Selbstorganisation der Flüchtlinge
Die Mittel des langen Kampfes

The Voice war vor 20 Jahren die erste Selbstorganisation von Flüchtlingen.
Ihre Forderungen gleichen denen heutiger Protestler.

Ein Unterstützer der Lampedusa-Flüchtlinge demonstriert in Hamburg seine
Solidarität. Bild: dpa
Das letzte Mal ist eine Woche her. Der Tote hieß Stanley Utubor, ein
nigerianischer Asylbewerber, erschossen unter unklaren Umständen, am 24.
September im Flüchtlingsheim im Wolfsburger Stadtteil Fallersleben.
Stunden später verschickte Osaren Igbinoba eine E-Mail, wie er sie ähnlich
schon Tausende Male verschickt hat: den Aufruf gegen „das Unrecht in
Fallersleben“, den die Heimbewohner ihm geschickt hatten.

Es waren Aktivisten des The Voice Refugee Forum – der Organisation, die
Igbinoba vor genau 20 Jahren gegründet hat. Für sie ist Utubor ein
weiteres Opfer der Flüchtlingspolitik. Seit Jahren hatten Voice-Leute in
Fallersleben die Schließung der Unterkunft verlangt – durch die
Lebensbedingungen dort seien „Streitigkeiten vorprogrammiert“, schrieben
sie schon 2011.

Igbinoba, ein massiger Mann Mitte fünfzig, hat andere zum Kampf gegen die
Lager und Residenzpflicht aufgerufen, als dies noch kein anderer getan
hat. Und er tut bis heute nichts anderes, obwohl er schon seit 1998 als
Flüchtling anerkannt ist.

Abschiebungen und Arbeitsverbot, Residenzpflicht und Essenspakete –
„nirgendwo sonst ist die Repression so perfektioniert wie in Deutschland“,
sagt er. Es sei ein „leiser Krieg, den die Bürokratie gegen uns führt“.
Die Isolation in den Lagern sei ein Teil davon. „Das macht die Leute
kaputt“.

„Wehrt euch!“

Igbinoba sitzt in seinem Büro im Dachgeschoss eines alternativen Zentrums
in der Mitte von Jena in Thüringen. An diesem Morgen fällt Sonnenlicht
durch die Dachluke herein, die Nachrichten, die in Igbinobas Mailaccount
und auf seinem Anrufbeantworter landen, sind meist eher düster. Suizide
und Übergriffe, Abschiebungen, Flüchtlinge, die nicht mehr weiterwissen.
Niemand ist in den ostdeutschen Flüchtlingsheimen so vernetzt wie
Igbinoba. Und allen, die sich bei ihm melden, sagt er dasselbe: „Wehrt
euch!“ Sich zusammenzutun, ungehorsam zu sein, das sei „ein Schrei nach
Freiheit“, aber auch schon ein Teil der Freiheit selbst. „Auch wenn man im
Gefängnis landet“, wie es Voice-Aktivisten, die etwa gegen die
Residenzpflicht verstießen, immer wieder passierte.
„Wir sind hier, weil ihre unsere Länder zerstört“ – das war das Motto der
Flüchtlinge. Niemand kommt freiwillig, sagt Igbinoba. „Es gibt keinen
Hunger. Es gibt nur Ausplünderung.“

Immer unter Androhung von Sanktionen

Die alte russische Kaserne, in die Igbinoba 1993 verteilt wurde, ist
mittlerweile geschlossen; ebenso wie viele andere der besonders
abgelegenen und heruntergekommenen Heime in Ostdeutschland. „Wir haben so
lange protestiert, sie konnten nicht anders. Zwischen 2003 und 2011 haben
sie wegen uns sogar aufgehört, Afrikaner nach Thüringen zu verteilen.“ Er
lacht so laut, dass er sich am Zigarettenrauch verschluckt und husten
muss. „Die Ausländerbehörden schauen heute jeden Tag auf unsere Homepage“,
sagt er.
18 Jahre haben The Voice und ähnliche, später entstandene Gruppen, fast
unter Ausschluss der Öffentlichkeit gekämpft – völlig unterfinanziert und
immer von Sanktionen der Ausländerbehörden bedroht.

Heute ist das anders. Flüchtlingsproteste sind zu einem Mainstream-Thema
in den großen Medien geworden, seit eine Gruppe junger Iraner sich Anfang
2012 in Würzburg die Münder zunähte und damit eine ganze Kaskade von
Aktionen auslöste. Die gipfelte in der Besetzung des Berliner
Oranienplatzes vor genau zwei Jahren. Die Forderungen dieses Protestzyklus
sind exakt dieselben, wie Igbinoba sie fast zwei Jahrzehnte zuvor
formuliert hatte. Die jungen Iraner gingen offensiver zu Werk, doch der
Boden für sie war bereitet worden durch Gruppen wie The Voice, die Fäden
in die Zivilgesellschaft geknüpft hatten.

Die Nicht-Nichtbürger

„Niemand ist glücklicher als ich, dass es so gekommen ist“, sagt Igbinoba.
„Schließlich haben sie genau das gemacht, wozu wir immer aufgerufen
haben.“
Trotz der versöhnlichen Töne – das Verhältnis zwischen der alten und neuen
Flüchtlingsbewegung war nicht immer das beste. Wohl um ihren
Führungsanspruch durchzusetzen, erfanden die Führer der neuen
Protestgeneration gar einen neuen Begriff: Sie nannten sich
„Non-Citizens“, Nichtbürger. So konnten sie ältere Aktivisten wie Igbinoba
von vielen Aktionen ausschließen – denn wen der Staat als Flüchtlinge
anerkennt, war nach ihrer Definition Bürger.
Die „Non-Citizens“ setzten schon bald auch auf Durst- statt bloß auf
Hungerstreiks und schafften so, woran andere gescheitert waren: Sie
zwangen die CSU, die Essenspakete abzuschaffen – einer von mehreren
Erfolgen der Bewegung. Heute bekommen Asylsuchende Sozialleistungen in
ähnlicher Höhe wie Deutsche, Residenzpflicht und Arbeitsverbote sind
gelockert. „Natürlich gibt es Unterschiede, alle Menschen sind
verschieden“, sagt Igbinoba, der Hungerstreiks für „nur das allerletzte
Mittel“ hält. Aber er wolle nicht werten: „Die Non-Citizens waren wütend.
Da muss jeder selbst entscheiden, was er tut“, sagt er. Es selbst habe die
Erfahrung gemacht, dass es „andere Mittel des Kampfes“ gebe: „Der Staat
fürchtet Flüchtlinge, die sich vereinigen mehr als solche, die sich zu
Tode hungern.“

An diesem Wochenende feiert The Voice seinen 20. Geburtstag mit einem
Kongress in Jena. „Vereint gegen soziale Ausgrenzung“, ist das Motto.
Eingeladen sind auch die Non-Citizens.
http://www.taz.de/!146980/

20 Jahre „The Voice Refugee Forum“ in Jena
06.10.2014 – 07:28 Uhr

„Vorfälle wie die in der hessischen Asylbewerberunterkunft sind leider
keine Einzelfälle. Viele Flüchtlinge in Deutschland haben ähnliches
erlebt. Nur kommt so etwas selten an die Öffentlichkeit“, sagt Mbolo
Yufanyi.
Mit der Trompete dabei war auch Enrico Chet vom Bodensee, der sich seit 20
Jahren für die Rechte von Flüchtlingen engagiert. Foto: Angelika Schimmel
Mit der Trompete dabei war auch Enrico Chet vom Bodensee, der sich seit 20
Jahren für die Rechte von Flüchtlingen engagiert. Foto: Angelika Schimmel
Jena. Er ist vor rund 20 Jahren als politischer Flüchtling aus seiner
Heimat Kamerun nach Deutschland gekommen und engagiert sich fast eben so
lange beim „The Voice Refugee Forum“. Die Organisation, die Flüchtlinge
ermuntern will, selbst für ihre Rechte zu kämpfen, beging am Sonnabend in
Jena ihr 20-jähriges Bestehen mit Demonstration und Kundgebungen.

Auch wenn in einigen Bundesländern die Residenzpflicht für Asylbewerber
gelockert werde, so sei es damit nicht getan, sagte Mbolo. „Damit
verschwinden nicht die Probleme; der Rassismus in den Köpfen und die
latente Angst vieler Deutscher vor den Flüchtlingen“, bedauerte er. Groß
sei das Unwissen über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in
Deutschland. Sie seien oft am Stadtrand untergebracht, weit weg von der
Chance, am normalen Leben teilzunehmen und es fehle an medizinischer
Betreuung in den Lagern.

Nach Angaben der Diakonie leben in Deutschland mehr als 90″000 Menschen im
Status der Duldung, ihr Asylantrag wurde abgelehnt, sie können jedoch
nicht in ihre Heimat zurück. „In der Duldung hat man keinen Anspruch auf
Bildung, keine Arbeitserlaubnis und lebt mit dem Druck, ständig
abgeschoben werden zu können“, erklärt Mbolo Yufanyi. „Wir fragen selten
nach den Ursachen, warum so viele Menschen ihre Heimat verlassen und nach
Europa kommen“, sagt Joachim aus Jena. Und Michael Ruthöph ergänzt
nachdenklich: „Es gibt so viele Kriege auf der Welt, da ist es doch kein
Wunder, dass die Menschen flüchten, um in Frieden und Freiheit leben zu
können“.

Angelika Schimmel / 06.10.14 / OTZ
Z0R0004538921


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The Caravan-for the Rights of refugees and Migrants
The VOICE (Refugee) Forum Berlin
Handy:+49 (0)170/8788124
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Und weit weg ist so fern und so hart, dass wir immer langsam gehen müssen, immer einen kleinen Schritt vorwärts. Ich denke nicht, dass das Problem von heute bis morgen gelöst werden wird, sondern ein lebenslanges Engagement benötigt

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