Aufruf Demo 12.7. Behindert und Verrückt feiern Pride Parade

(english/ türkish/ arabic/ polish/ spanish/ russian/ french/ serbo-croation versions below)

*Freaks und Krüppel,
Verrückte und Lahme,
Eigensinnige und Blinde,
Taube und Normalgestörte –
kommt wieder raus auf die Straße, denn sie gehört uns!
Wir waren viele! Wir werden mehr!

Feiert mit uns auf der behindert und verrückt feiern – Pride Parade 2014 in Berlin!

Barrieren ins Museum, Schubladen zu Sägemehl, Diagnosen zu Seifenblasen!
Küsst den Wahnsinn wach, liebt Krummbeine und Spasmen, begehrt Krücken und Katheter. Wir verstören und verführen und sind lauter als die Norm! Rollt, humpelt, tastet euch vor – zum Hermannplatz am 12. Juli, um 15 Uhr.

Wir wurden Randgruppen zugeteilt und als Mängelwesen gekennzeichnet. Wir wurden eingesperrt und Sonderbehandlungen unterzogen. Doch wir sind sichtbar – hier, mitten im Zentrum. Seit Jahrzehnten kämpfen wir für Barrierefreiheit, Teilhabe und Assistenz, fordern Gleichbehandlung und Respekt. Wenn heute Politiker_innen und Funktionär_innen das Wort Inklusion benutzen, hört es sich an, als hätten sie diese erfunden. Gnädig wollen sie uns Inklusion gewähren. Da Inklusion enorm viel Geld kosten würde, müssten wir noch etwas Geduld haben, bis die umfassend inklusive Gesellschaft Wirklichkeit wird … Wir sagen Nein! Wir warten nicht ab! Unser Leben findet hier und jetzt statt.

Wir warten nicht ab, dass unsere Körper endlich als begehrenswert bewertet werden. Wir zeigen, wie schön wir sind. Wir warten nicht ab, bis unser Verhalten nicht mehr als abseitig und verstörend angesehen wird. Wir sind einfach da und bringen uns ein, so wie wir sind. Wir zeigen uns – unsere Buckel und schiefen Hüften, unsere sogenannten Neurosen und Verhaltensauffälligkeiten! Überall sind wir zu finden: an der Uni, im Büro, als Selbstständige und Beamte, und auch in der Werkstatt oder im Hartz-IV-Bezug. Wir nutzen den öffentlichen Nahverkehr mit dem Rollstuhl – auch den M41 nachmittags auf der Sonnenallee!* Oder besuchen mit Atemgerät und Liegerollstuhl ein Open-Air-Festival. Wir joggen durch den Park, auch mit einem Bein. Wir gehen ins Restaurant, auch wenn wir unsere Gucci-Blusen bekleckern.

Viele erleben uns als irritierend, wenn wir sind, wie wir sind. Viele meinen, unser Alltag wäre leidvoll. Doch das ist letztlich ihr Problem, nicht unseres. Wir erleben uns lustvoll und zugewandt, verlieben uns, haben Beziehungen und bekommen Kinder. Wir essen, schlafen, lernen, arbeiten, feiern, flanieren und genießen unser Leben – meistens. Wir tun dieselben Dinge, die alle tun, nur dass einige von uns mehr Unterstützung brauchen. Also: Warum sollen wir bemitleidet, gar verändert werden? Warum sollen wir uns anpassen? Es ist gut so, dass wir sind, wie wir sind!

Wir wissen, dass bei weitem nicht alle sich zeigen können. Für viele sind Scham und Angst so umfassend, dass sie nicht öffentlich Präsenz zeigen können. Andere werden mit richterlichem Beschluss weggeschlossen. Vielen werden die Hilfen vorenthalten, die ihnen ermöglichen würden, mobil zu sein und an unserer Parade teilzunehmen. Auch für sie gehen wir auf die Straße. Verrücktheit und Behinderung sind gesellschaftlich bedingt. Dieselben, die in Sonntagsreden die Inklusion beschwören, selektieren uns, wenn wir Unterstützung brauchen, bewerten uns als „krank“ und „unfähig“.

Unser Leben wird mit Unwert belegt, wenn die Möglichkeiten, in der Schwangerschaft Behinderungen festzustellen, ständig weiterentwickelt werden. Wenn allen Schwangeren diese Untersuchungen nahe gelegt werden und ihnen geraten wird, abzutreiben, wenn eineBehinderung vermutet wird. Und nicht nur hier entscheiden weithin Ärzt_innen, Heimleiter_innen, Berater_innen, Therapeut_innen, Gutachter_innen, Kassen und Ämter – nur nicht wir.

In behindertenpolitischen Leitlinien und Maßnahmeplänen kommt uns überall die Inklusion entgegen, aber praktisch passiert nichts. Werkstattträger halten sich für inklusiv, bei denen behinderte Menschen einen Monatslohn von weniger als 200 € haben. Schon seit Jahren gibt es nicht ausreichend Geld für die Unterstützung behinderter Schüler_innen. Prominente sprechen mittlerweile offen von ihren „Depressionen“. Trotzdem werden immer mehr Leute mit psychiatrischen Diagnosen weggeschlossen. Heime funktionieren aus ihrer Struktur heraus entmündigend und isolierend. Das wird mittlerweile als Selbstbestimmung und Assistenz verkauft. Zugleich werden die Bewilligungen für Persönliche Assistenz immer knapper bemessen. So kommt statt selbstbestimmten Leben oft nichts weiter als das Heim daheim dabei heraus.
Medizinische Diagnosen sind wirkmächtig. Doch es hilft uns nichts, wenn Behinderung oder Verrücktheit ausschließlich biologisch erklärt werden. Psychopharmaka sollen die Probleme zudecken. Sie lösen sie nicht. Ebenso werden Superrollstühle und Exoskelette eine barrierefreie Umwelt nicht ersetzen. Nicht wir sind also fragwürdig, vielmehr der Zwang, funktionieren zu müssen, um zu (über)leben, Leistungen zu bringen, um anerkannt zu sein.

Nur wenn wir uns unsere Rechte nehmen, können wir über uns verfügen. Deshalb: Trau dich zu fordern, was du brauchst! Zeige deine Sehnsüchte, dein Begehren, deine Freude, deine Lust! Geh auf die Straße und feier mit uns auf der behindert und verrückt feiern – Pride Parade, am 12. Juli 2014 in Berlin!
Samstag, 12. Juli 2014 // 15.00 Uhr // Hermannplatz

Fußnote: * Die Buslinie M41 ist in ganz Berlin wegen ihrer oft völlig überfüllten Busse berüchtigt.

*Freaks and Cripples,
Lunatics and Gimps,
Deaf, Crazy,
Blind or just ordinarily weird people
– come out into the streets again, because we own it!
We were many, we will be more!
Party with us at the behindert und verrückt feiern Disability & Mad Pride Parade 2014 in Berlin.
Put barriers in the museum, it’s time to break out of our boxes, be who you want to be, not who they say you are
Kiss madness awake, love crooked legs and spasms, desire crutches and catheters. We unsettle und seduce and we are louder than the norm. Roll, limp and grope your way to Hermannplatz, July 12th at 3pm.
We were put at the margins of society and marked as deficient. We were locked away and underwent special treatment. But we are visible – here, right in the middle of everything. For decades, we are fighting for accessibility, equal rights and personal assistance. For decades, we are calling to be treated with respect. Politicians and professionals make it sound as if it was their idea to talk about inclusion. Mercifully, they want to grant it to us. But since it is pretty costly, we are asked to be patient. An inclusive society takes some time to become real, we are told… But we say: No! We are done waiting. Our life is taking place right here, right now.
We are not waiting until our bodies are finally considered to be desirable. We are flaunting them in their beauty. We are not waiting for you to finally stop considering our behaviour weird and unsettling. We are here and we contribute the way we are. We display ourselves and become visible – flaunting our hunchbacks, asymmetric hips, neuroses and our abnormal behaviour! We are everywhere: At the university, at any office, at the sheltered workshop. We work self-employed; we are civil servants or live on welfare. We use public transportation in our wheelchairs (even if it’s the most crowded bus in the middle of the day). We enjoy open-air festivals with our respirator. We go for a run in the park on one leg. We dine in restaurants, even if we spill food on our fancy clothes.
Plenty of people are irritated by us being like we are. A lot of people are sure we are suffering. In the end that’s their problem, not ours. We are passionate and caring, we fall in love, we have relationships and we have kids. We eat, sleep, learn, and work. We stroll around and love our lives – most of the time. We do what everybody does – it’s just some of us need more assistance. So: Why feel sorry for us, why even want to change us? Why should we assimilate? It’s excellent that we are just the way we are!
We know, not all of us can show ourselves. Shame and anxiety can feel overwhelming, preventing some of us from being visible publicly. Some of us are locked away, because a judge made the call. Some are denied the support they need to leave their homes and join us in our parade. We are reclaiming the street for them as well as ourselves. Madness and disability are socially constructed. And those very same people who speak of inclusion call us “sick” and “unable” when we need support.
There is another way in which our lives are marked as worthless: There are more than ever evolving ways to determine whether a pregnancy will result in a disabled child. It affects us and the ideas attached to living with a disability when pregnant women get advice to have an abortion in case their future child might be disabled. And that’s just one of the many ways in which doctors, therapists, wardens, consultants and other professionals get to make the decisions – anyone but us!
The fact that “inclusion” is all over the place, in disability mission statements and action plans, doesn’t result in any meaningful change. Sheltered workshops, places where disabled people earn less then 200 Euros a months, claim to be inclusive. For years now, there hasn’t been enough money to pay for the kind of support disabled students need. Nowadays celebrities openly discuss their “depression,” but still more and more people with psychiatric diagnosis get locked away. Even though sheltered homes for disabled people systemically lead to isolation and often deprive people of their right to decide for themselves, they are marketed as places of self-determination. People who want to hire their assistants themselves, making use of their right to get the money to do that, are having more and more trouble getting their applications approved. This is why so many disabled people live in sheltered homes instead of their own place.
Medical diagnoses are influential. It’s of no help to us if disability and madness are understood as facts of nature, determined by biology. Psycho-pharmaceuticals are not the solution to the problems we face, quite the opposite. They were invented to cloak them. We need accessible spaces. All the super-wheelchairs, exoskeletons and high-tech prostheses of the world will not replace an accessible environment. It’s not us, who are questionable. In fact, what’s questionable is the fact that one has to operate effectively to survive. What’s questionable is achievement as grounds to get acknowledged.
We can only stand up for ourselves and truly decide how our lives should look if we insist on our rights.
So: Dare to ask for what you need! Show your longings, your desires, your joy, your lust! Come out into the streets and join us at the behindert und verrückt feiern – Pride Parade, July 12th 2014, in Berlin.

Turkish Version

*Davranış bozuklukları
olanlar ve sakatlar,
çılgınlar ve topallar,
inatçılar ve körler,
sağırlar ve normal rahatsızlar yine sokaklara dökülün;
ki bu sokaklar hepimizin.
Biz çok kişiyiz. 2014’de daha da çoğalacağız
Berlin Engelliler ve Çılgınlar Onur Yürüyüşü’nü bizimle kutla!
Bariyerleri´müzelere, çekmeceleri talaşlara, teşhisleri sabun
köpüklerine dönüştürelim.
Çılgınlığı öpücüğümüzle uyandıralım, Çarpık bacaklıları ve spastikleri
sevelim, koltuk değneklerimize imrenmeye bir son verelim.
Biz düzeni rahatsız etmekle kalmayıp sizi de ayartıyoruz ve sesimiz
Normlardan daha yüksek çıkıyor!
Yuvarlanarak, hoplaya zıplaya da olsa gücünüzü, cesaretinizi toplayıp 12
Haziran, saat 15.00 ‘da Herrmanplatz’a gelin.
Onur Yürüyüşümüze gelin!
Destekleyicilerin katılımları beklemmektedir.

Spanish Version

*Frikis y lisiades,
Loces y paralítiques,
Obstinades y ciegues,
Sordes y perturbades
¡Salid a la calle de nuevo
porque es nuestra!
Estuvimos muches,
¡en 2014 estaremos más!
Festejad connosotres el Desfile del Orgullo tarade y loque 2014 en Berlin!
Las barreras, para los museos.
Haremos serrín de los cajones y pompas de jabón con los diagnósticos.
¡Besad la locura, amad piernas torcidas y espasmos, desead muletas y
catéteres!
¡Trastornamos, seducimos y somos más fuertes que la norma!
Enrollaos, cojead, andad a tientas.
En Hermannplatz el 12 de julio, a las 3 de la tarde.
Venid todes a nuestro desfile.
Patrocinadores son bienvenides de participar.

Russian Version

*Фрики и калеки*, сумашедшие и хромые, глухие и с обыкновенными
нарушениями –
выходите снова на улицу, она принадлежит нам!
Нас было много! В 2014 нас будет больше!
Приходите на наш общий праздник – парад гордости больных и сумашедших 2014
в Берлине!
Барьеры в музей! Стериотипы в порошок! Вместо Диагнозов мыльные пузыри!
Расцелуйте безумие, любите кривые ноги и судороги, костыли и катетеры!
Мы сбиваем с толку и соблазняем! Наши голоса – громче нормы! Катитесь,
хромайте, идите на ощупь – на Херманнплатц. (Hermannplatz)
Приходите все на наш парад! В субботу 12 июля в 15 часов.
помощниц и помощников приглашаем к участию.

Polish Version

*Freaki i Kaleki,
Wariaci i Kuternogi,
Szaleńcy i Niewidomi,
Głusi i Dziwacy –
wyjdźcie kolejny raz na ulicę, bo ona należy do nas!
Było nas wielu! Będzie jeszcze więcej!
Bawcie się z nami na niepełnosprawnej i szalonej paradzie – behindert
und verrückt feiern – Pride Parade 2014 w Berlinie!
Bariery do muzeów! Dość ze stereotypami! Bańki mydlane zamiast diagnoz!
Bądźcie takimi, jakimi chcecie być, a nie jakimi oni chcą Was widzieć!
Rozbudźcie w sobie szaleństwo, pokochajcie krzywizny i spazmy,
pożądajcie kul i cewników.
Będziemy niszczyć, kusić i przebijemy normę hałasu! Toczcie się,
kulejcie, idźcie po omacku na Hermannplatz 12 lipca o godz. 15.00.
Przyjdźcie wszyscy na naszą paradę.
Wspomożyciele_ki są zaproszoni brać udział.

French Version

*Freaks et estropié-e-s,
fous, folles et paralysé-e-s
entêté-e-s et aveugles
sourd-e-s et dérangé-e-s —
sortons dans la rue, car elle nous appartient !
Nous étions déjà beaucoup ! Nous serons plus nombreux encore !
Venez célébrer avec nous la Pride Parade 2014 *behindert und verrückt
feiern* – fêtons le handicap et la folie !
Aidez-nous à faire des barricades avec les barrières, de la sciure avec les
tiroirs, et des bulles de savon avec les diagnostics !
Embrassez la folie, désirez les boiteux, aimez les jambes tordues, et
dansez dans un spasme…
Nous dérangeons et séduisons, nous sommes plus bruyants que la norme !
Roulez, boitez, avancez à tâtons — jusqu’à la Hermannplatz, le 12 juillet à
15h.
Venez tous à notre parade.
Toute aide est la bienvenue, vous pouvez participer !

Bosnian/Croatian/Serbian Version

*Frikovi i invalidi,
luđakinje i hrome,
svojeglavci, slijepci i gluhe,
vi koji ste na normalan način čudni –
ponovo siđite na ulicu, jer ona nama pripada!
Bili/e smo mnogi/e! Biće nas još više!
Pridružite nam se na Paradi ponosa 2014 u Berlinu – proslavimo sebe
takvi/e kakvi/e jesmo, sa svojim invaliditetima i ludostima. Problem
nismo mi, nego društvo koje nas ograničava.
Neka se barijere odnesu u muzeje! Zaboravimo na ladice, nema više
zatvaranja! Neka se dijagnoze pretvore u mjehure od sapunice!
Poljupcem budite ludilo! Zavolite savijene noge i spazme! Žudite štake i
katetere!
Zbunimo i zavedimo – i glasniji/e smo od norme!
Dođite koturajući, hramajući, pipajući – na Hermannplatz, 12. jula, u 15
sati. Svi/e koji/e žele da nas podrže su također dobrodošli/e.

Arabic Version

‎المهووسين و الكسحان
‎المجانيين والعرجان
‎العنيدين و المكفوفين
‎الصم و الطبيعيين
‎ياتي لمره اخرى على الطريق
‎لأنها ملك لنا
‎لقد كنا كثيرين وفي 2014 سنصبح أكثر
behindert und verrückt feiern احتفل معنا في احتفال
Pride Parade 2014 in Berlin!

نحن نحير و نغري
نحن اعلى من القانون
تعالو
بتاريخ 12 تموز عند الساعه 15
تعالوا جميعا إلى موكبنا
والدعوة موجها إلى جميع مؤيدين لنا
للمزيد من المعلومات زوروا الموقع الالكتروني

 

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