400 Demonstranten in Schkeuditz : Rangeleien vor „Compact“-Konferenz

http://www.mdr.de/sachsen/leipzig/souveraenitaets-konferenz-leipzig104.html

400 Demonstranten in Schkeuditz : Rangeleien vor „Compact“-Konferenz

400 Menschen haben in Schkeuditz gegen eine Konferenz des als
rechtspopulistisch geltenden „Compact“-Magazins protestiert. Die
Demonstranten versammelten sich bereits am frühen Morgen mit Peace- und
Regenbogenfahnen vor dem Konferenzgebäude. Sie folgten einem Aufruf der
Linksjugend.

Demonstranten versuchen Gebäude zu stürmen

Nach Angaben der Polizei versuchten zunächst rund 100 Menschen, mit
einer Sitzblockade und Protestrufen gegen die Veranstaltung zu
demonstrieren. Später sei die Gruppe auf 400 angewachsen. Sie hätten
versucht, die Zufahrtsstraßen und das Konferenzgebäude zu blockieren.
Dabei seien sie sehr aggressiv aufgetreten, es sei zu Sachbeschädigungen
gekommen. Unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn haben die Demonstranten
laut Polizei versucht, das Gebäude zu stürmen, „was nur durch einen
konzentrierten Einsatz von Polizeikräften und der Anwendung von
unmittelbarem Zwang verhindert werden konnte“.

Zu den weiteren Gegnern der Konferenz gehörte auch der Lesben- und
Schwulenverband Sachsen. Sprecher Hartmut Rus sagte dem MDR
SACHSENSPIEGEL: „Die Compact-Konferenz ist ein Sammelsurium von
Verschwörungstheoretikern, die gegen Minderheiten sind.“ Unter dem
Deckmantel, Deutschland zu retten, hetze man gegen Minderheiten.
Sarrazin gegen Begriff „Homo-Ehe“

Thilo Sarrazin sprach sich in Leipzig gegen die Homo-Ehe aus.

Offiziell war die Zukunft der Familie das Thema der Konferenz. Für
Aufregung sorgte vor allem, dass die Veranstalter eine sexuelle
Umerziehung der Gesellschaft erkannt haben wollen und diese als
gefährliche Entwicklung sehen. Peter Scholl-Latour und Eva Herrmann
hatten ihre Teilnahme im Vorfeld abgesagt. Prominentester Gast war Thilo
Sarrazin. Bei seiner Rede sagte Sarrazin: „‚Homo-Ehe‘ unterstellt eine
Ähnlichkeit dort, wo es keine gibt. Zwei Homosexuelle – seien es
männliche oder weibliche – können zusammen eben keine Kinder bekommen.
Und sie haben dasselbe Geschlecht. Und das ist ein Unterschied, der auch
durch Worte nicht überdeckt werden kann.“
Widersprüchliche Angaben des Veranstalters

Stefanie Gerressen | Redakteurin
MDR INFO
Souveränitäts-Konferenz

22.11.2013, 05:00 Uhr | 02:57 min
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„Compact“-Chef-Redakteur Jürgen Elsässer fühlte sich in der
Berichterstattung um seine „Souveränitätskonferenz“ missverstanden:
„Diese Konferenz richtet sich nicht gegen Homosexualität. Wir sind
erfreut über das Ausmaß an Pluralität der Lebensstile in unserer
Gesellschaft. Das ist ein großer Fortschritt, dass die Diskriminierung
von Schwulen aus den letzten Jahrzehnten zurückgedrängt werden konnte.
Das ist eindeutig positiv.“ Auf seinem Blog klingt das anders: Einen
kritischen Artikel in der Zeit bezeichnet er hier etwa als
„tintig-tuntig“. Zudem erteilt Elsässer auf seiner
Souveränitätskonferenz Menschen wie Béatrice Bourges das Wort. Sie hat
mit der Organisation „Französischer Frühling“ in ihrem Land die Proteste
gegen die gleichgeschlechtliche Ehe angeführt. Auch Rednerin Elena
Misulina gilt als federführend beim russischen „Gesetz gegen
Homo-Propaganda“.
Rechter CDU-Rand bis NPD

Die Souveränitätskonferenz sei nicht einfach eine Veranstaltung für
Rechte und Nazis, sagt der Mitarbeiter der sächsischen Linken, Volkmar
Wölk: „Compact als Magazin bedient sicherlich ein politisches Spektrum
vom rechten Rand der CDU bis hin zur NPD. Und was eigentlich das
Spannende ist, durch die Vergangenheit des Herausgebers immer noch ein
bestimmtes linkes Publikum gleichzeitig.“ Das sei in der Form innerhalb
der Bundesrepublik einmalig, sagt Wölk. Er kennt den Herausgeber des
Compact Magazins, Jürgen Elsässer, noch aus früheren Tagen. Beide haben
ihre Wurzeln im kommunistischen Bund.

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2013, 21:45 Uhr

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