Einladung zur Pressekonferenz am 12 November 2013 in Berlin : Gutachten zeigt, Behauptung, Oury Jalloh habe sich selbst angezündet, ist nicht weiter haltbar!

Dienstag, 12. November 2013, 11:00 Uhr,
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal, Hof I, EG, (Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, Tram M4, Bus 200)
Sehr geehrte/r Damen / Herren,
wir laden Sie herzlich zur oben genannten Pressekonferenz ein.
Das von einem internationalen Brandgutachter in Großbritannien erstellte aktuelle Gutachten zeigt, dass die Behauptung, Oury Jalloh habe sich selbst angezündet, nicht länger haltbar ist.
Die Ergebnisse dieses Gutachtens werden in unserer oben genannten Pressekonferenz vom Gutachter, in Anwesenheit von Rechtsanwälten, selbst vorgestellt und in einem dokumentarischen Kurzfilm, der Ausschnitte der entsprechenden Versuche zeigt, verdeutlicht. Die dem Gutachten zugrunde liegenden Versuchsprotokolle mit den entsprechenden Werten können eingesehen werden. Außerdem wird ein Auszug derselben und eine Zusammenfassung der Ergebnisse zur Hand gereicht.
Da die bisherigen Gerichtsverfahren, trotz zahlreicher bekannter gegenteiliger Hinweise, von Beginn an ausschließlich von einer Selbsttötung Oury Jallohs ausgingen, wird die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh zusammen mit dessen Familienangehörigen auf der Grundlage des neuen Gutachtens sowie weiterer Indizien, die sich im Rahmen des Revisionsverfahren verdichtet haben, eine Strafanzeige wegen Mordes oder Todschlags bei der Bundesgeneralanwaltschaft einreichen.
Selbst, wenn die Versäumnisse bei den Ermittlungen zum Tod Oury Jallohs – wie u.a. das Nichthinzuziehen eines Brandgutachters, die Nichtdurchführung von entsprechenden Brandgasanalysen, der rasche Abbruch zu Beginn der Videoaufzeichnung in der Zelle, das Verschwinden der relevanten Dienstprotokolle, sowie die behaupteten Gedächtnislücken der Beamten, die vor Ort waren – eine Beweisführung erschweren, erscheint nunmehr eine Aufnahme der Ermittlungen wegen Mordes oder Totschlag durch eine übergeordnete Instanz unumgänglich.
Die Behauptung der Staatsanwaltschaft Dessau, Oury Jalloh habe das Feuer selbst angezündet, ist auf der Basis des neuen Gutachtens als schlichtweg falsch zu erkennen. Eine schon vor Jahren durchgeführte zweite externe Autopsie des Leichnams deckte – entgegen der ausschließlich von den Gerichten allein zugelassenen ersten Autopsie – einen nicht erkannten Nasenbeinbruch sowie einen Trommelfellriss auf und wiest so auf eine Misshandlung Oury Jallohs vor seinem Tod hin. Zudem kann die Abwesenheit des sich unter Stress in Sekunden bildenden Noradrenalins im Urin des Leichnams nur dadurch erklärt werden, dass Oury Jalloh zum Todeszeitpunkt offensichtlich bewusstlos war. An dem von der Polizei präsentierten Feuerzeugrest gab es zudem weder DNA-Spuren Oury Jallohs, Spuren seiner Kleidung noch der Matratze, auf der er angekettet gelegen hatte. Daraus ist zu schließen, dass dieses Feuerzeug am 7.1.2005 offensichtlich doch nicht in seiner Zelle war. Worauf auch die Tatsache hinweist, dass es erst verspätet zu den Asservaten gereicht wurde.
Aus den Ergebnissen des neuen Brandgutachtens ergibt sich mittelbar, dass – da sich Oury Jalloh ganz offensichtlich nicht selbst angezündet haben kann. Das würde auch bedeuten, dass der/die für seinen Tod tatsächlich verantwortliche/n Täter/innen bis heute auf freiem Fuß wären und für die Allgemeinheit eine erhebliche Gefahr darstellen. Auch Nachfolgetaten wären in diesem Fall nicht auszuschließen. Erinnert sei hier vergleichsweise an die unzureichenden Ermittlungen zu den sogenannten NSU-Morden und das diesbezügliche Nichterkennen der tatsächlichen Täterprofile über ein Jahrzehnt.
Im Rahmen dringend notwendiger weiterführender Ermittlungen zum Todes Oury Jallohs muss auch wieder bestehenden Verdachtsmomenten in weiteren Fällen nachgegangen werden: Zwei andere Personen könnten schon zuvor im gleichen Polizeirevier ermordet worden sein: 1997 starb Hans-Jürgen Rose infolge schwerster innerer Verletzungen, die er nach einem nächtlichen Aufenthalt im Dessauer Polizeirevier in der Wolfgangstr. 25 davongetragen hatte. Bei den Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht, dass Hans – Jürgen Rose mit Schlagstöcken und Tritten von Polizisten traktiert worden sein könnte – der Fall wurde allerdings bislang ebenfalls nicht aufgeklärt. 2002 starb dann Mario Bichtemann – sogar in der gleichen Zelle wie Oury Jalloh an einem Schädelbasisbruch. Es gab auch hier eine Reihe von Ermittlungen, die sich jedoch auf Täter/innen von außerhalb beschränkten. Es konnte in diesem Fall weder eine Erklärung für die Blutspuren an der Zellenwand noch für die Hämatome auf Händen und Rippen des Mario Bichtemann gegeben werden.
Abschließend sei noch auf Oury Jallohs Recht auf Rehabilitation hingewiesen.
Selbst wenn es nach so langer Zeit und aufgrund zahlreicher großen Versäumnisse bei der ursprünglichen Beweissicherung schwer werden wird, die Täter/innen noch zu überführen, erbringt das neu angefertigte internationale Brandgutachten klare Hinweise darauf, dass im Fall von Oury Jalloh nur noch Totschlag oder Mord in Betracht kommen kann. Die Zeit in den kommenden Wochen und Monaten muss endlich genutzt werden, um das Konstrukt aus weitreichenden Lügen und behaupteten Erinnerungslücken der verantwortlichen Personen aus den Reihen der Polizei und des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt nicht mehr nur anzuzweifeln, sondern durch Ermittlungen auch aufzudecken.
Für die Ankündigung Ihrer Teilnahme am der Pressekonferenz wären wir sehr dankbar, um die entsprechenden Plätze bereithalten zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.
Kontakte:
Mouctar Bah : 0152 10 83 69 14
Komi E. 0176 38 11 31 35
Advertisements
%d Bloggern gefällt das: