Aufruf zur Kundgebung – “Auf der Flucht” ZDF Neo von Bündnis gegen Rassismus

Wann: 3. September 2013 um 18 Uhr
Wo: ZDF Gebäude Unter den Linden 36-38
 
Seit Anfang August strahlt ZDF Neo die Sendung “Auf der Flucht” aus. In dieser Sendung handelt es sich um eine inszenierte Flucht von größtenteils weißen Deutschen von Deutschland nach Afrika und in den Irak. Die erste Frage die sich stellt ist, ob die Pseudo-Geflüchteten ihre Flucht im ganzen Kontinent Afrikas nachspielen oder die Initiator _innen der Sendung so ihr Unwissen über die unterschiedlichen Länder und Situationen auf dem Kontinent verdeutlichen. Die ausgewählten Kandidat_innen reichen von einem Sarrazin-Fan, bis hin zu einem ehemaligen Neonazi. Dabei werden die Vorurteile aller Kanditat_innen  gegenüber Geflüchteten deutlich.
 
Wir kritisieren, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, welches einen Bildungsauftrag hat und von den Rundfunkgebühren und Steuergeldern der gesamten Bevölkerung, d.h. auch von Geflüchteten in Lagern, finanziert wird, solch ein absurdes Format wie “Auf der Flucht” ausgestrahlt wird.  Die Sendereihe ist eine abscheuliche Relativierung der Realität von Geflüchteten und dient mehr der Selbstinszenierung der Protagonist_innen. Auffällig ist, dass mehrheitlich privilegierte weiße deutsche Staatsbürger_innen ihre simulierte Fluchterfahrung darstellen, anstatt die eigentlich Betroffenen zu Wort kommen zu lassen – nämlich die Geflüchteten selbst. Die koloniale Kontinuität wird mal wieder sehr deutlich: Weiße reisen in ferne Länder und bilden sich ein, sich ein vermeintlich objektives Bild über Fluchterfahrungen machen zu können, ohne dabei auch nur zu reflektieren, welche unterschiedlichen Ausgangspositionen bestehen.
 
Wir verurteilen zutiefst, dass das Schicksal von Menschen, die aus lebensbedrohlichen Umständen fliehen müssen, von privilegierten Menschen zu Entertainment-Zwecken dargestellt wird. Skurrilerweise bereisen sie die jeweiligen Gebiete mit einem gut ausgestatteten Kamera-Team und weiterer luxuriöser Ausrüstung, um auch dort ihren eigenen hohen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.
 
Seit Jahren kämpfen Geflüchtete für ihre Rechte in diesem Land, seit Jahren machen sie auf ihre Situation aufmerksam, seit Jahren berichten sie über ihre Fluchterfahrungen und seit Jahren wird ihre Stimme nicht gehört. Wenn tatsächlich Interesse daran besteht auf die Fluchterfahrungen von Menschen aufmerksam zu machen, weshalb hört man sich nicht die Stimmen jener an, die diese Erfahrungen gemacht haben? Es gibt unzählige Aktivist_innen, die von ihren Erfahrungen auf der Flucht sprechen und auch darüber, welchem Rassismus sie in Deutschland ausgesetzt sind. Diese scheinen wieder einmal nicht relevant zu sein. Des Weiteren blendet die Sendung die globalen Missstände für welche auch Deutschland die Verantwortung trägt und welche Menschen aus unterschiedlichen Ländern zur Flucht zwingen, aus. Es wird komplett ausgeblendet, dass wir hier nur so gut leben können, weil wir dies auf dem Rücken Anderer tun. Dass diese neokoloniale Ausbeutung und Unterdrückung dazu führt, dass in diesen Ländern die Wirtschaft vollkommen zusammenbricht oder gar zu Kriegen führt, sind ebenfalls kein Thema dieser Sendung. Aus diesem Grund fordern wir eine unverzügliche kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Wirtschafts- und Außenpolitik, die Menschen zur Flucht zwingt. Aber auch eine Auseinandersetzung damit, wie rassistische Asylgesetze in Deutschland Menschen systematisch ausgrenzen. Als logische Konsequenz dieser Auseinandersetzung fordern wir die koloniale Vergangenheit Deutschland endlich in den Wissenskanon aufzunehmen und die Abschaffung aller ausgrenzenden Gesetze für sogenannte nicht-Deutsche Staatsbürger_innen. 
 

Bündnis gegen Rassismus

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