Redebeitrag vom Festival gegen Rassismus in Transgenialer CSD demo am 22.06.2013

Im August findet dieses Jahr zum 2. Mal das Festival gegen Rassismus auf dem Blücherplatz in Kreuzberg statt. Das Festivalformat umfasst künstlerische und politische Bühnenauftritte, Diskussionsrunden,  Ausstellungen, Theater – und Filmvorführungen, Workshops sowie Kinder- und Jugendprogramme.


Wir sind ein Zusammenschluss mehrerer Gruppen und Einzelpersonen, die das Festival unabhängig und selbstständig organisieren.

Auch dieses Jahr wollen wir den Kampf und die Organisierung von jenen Menschen in den Mittelpunkt, die selbst Rassismus erfahren.  

Da der antirassistische Widerstand in Deutschland vielfältig ist und eine lange Geschichte hat, will das Festival einen Raum schaffen, in dem diese unterschiedlichen Widerstandsgeschichten aufgegriffen und erzählt werden.

Wir wollen Ideen und Überlegungen zu entwickeln, wie diese Widerstände in Solidarität miteinander verbunden werden können. Denn wir wollen unseren Widerstand weiterhin selbstorganisiert fortführen und besser vernetzen!


Wir sagen, »Rassismus geht uns alle an!«, denn die rassistischen Verhältnisse in Deutschland prägen uns alle: sowohl die von Rassismus betroffenen als auch die von Rassismus profitierenden Menschen. Ein erheblicher Teil dieser Gesellschaft wird durch Rassismus als Unterdrückungssystem ausgegrenzt. Dieses Unterdrückungssystem zeichnet sich u.a. auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, dem Bildungssystem sowie der Einwanderungs- und Asylpolitik ab. Ein weiter Teil dieser Gesellschaft profitiert hingegen von dieser Ausgrenzung. Für diesen Teil ist der Zugang zum gesellschaftlichen Allgemeingut, zur Teilhabe und die Repräsentation auf allen gesellschaftlichen Ebenen selbstverständlich. Rassismus funktioniert also nach einem bestimmten Machtmechanismus, in dem eine Gruppe die Mittel darüber verfügt eine andere Gruppe zu definieren, sie auszugrenzen und zu unterdrücken, während der anderen Gruppe diese Mittel verwehrt bleiben.
Dieser gesellschaftlich tief verankerte rassistische Mechanismus muss und kann daher nur gemeinsam bekämpft werden. Um Rassismus wirkungsvoll entgegen zu treten, müssen sich alle ihrer eigenen Rolle und Verantwortung in diesem ausbeuterischen Gewaltverhältnis bewusst werden.

An diesem Punkt möchten wir nochmal unterstreichen, dass diese Tatsache die ganze Gesellschaft betrifft, indem wir die jüngsten Ereignisse und Diskussionen in der Vorbereitung des diesjährigen TCSD ansprechen.
Wir halten heute hier diesen Redebeitrag, weil uns daran gelegen ist, dass auch in der linken queeren Szene in Berlin weiße Machtstrukturen reflektiert und bekämpft werden.

Öffentliche Statements sind die ersten, wichtigen Schritte, aber erst ein Anfang dafür.
Es geht darum, wer gehört und überhört wird.
Es geht darum, wer hier definiert und bestimmt.
Es geht darum Macht abzugeben, damit Rassismus bekämpft und eben nicht nur besprochen werden kann.

Wir haben ein Interesse daran, dass diese Diskussion öffentlich weitergeführt wird und in das Bewusstsein der einzelnen Aktivist_innen kommt.

Deswegen sind wir hier! 

Wir sind hier um gegen gesellschaftliche Normierung von Körper und Geschlecht, gegen Sexismus, Homophobie und Cis-Sexismus zu kämpfen!

Gender und body politics sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Kampfes gegen Rassismus. Beides sollte zusammengedacht werden, damit unterschiedliche Positionierungen und  Mehrfachdiskriminierungen sichtbar werden. 

Unser Festival soll unter anderem durch Workshops einen Raum bieten, diese Auseinandersetzungen produktiv zu führen.

Kommt vom 16. bis zum 18. August auf dem Blücherplatz in Kreuzberg 61 zu unserem Festival!

Bereits nächsten Montag, am 1. Juli, findet ab 20 Uhr unsere erste Soli-Party im Möbel Olfe am Kotti statt. Ihr seid herzlich eingeladen!

Rassismus geht uns alle an! Lasst uns gemeinsam reflektieren und kämpfen, Widerstand vernetzen!

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